High Heel Feminist, Wellington Rebel, Mary Jane Chuzpenik

Heterosexuelle Privilegien

Heterosexuelle Privilegien

Über die letzten Jahrzehnte hat sich bezüglich der Homosexuellenrechte einiges getan. Ein echt übles Wort wie ich finde. Ein äquivalenter Begriff für Heterosexuelle existiert nicht. Normalisierung und so.

Die Größten Schritte waren wohl die Abschaffung von §175 StGB, die Ehe für alle und die „Möglichkeit“ der Stiefkinderadoption für homosexuelle Paare.

Der rechtliche Teil ist aber nur ein Aspekt, wenn es um die Stellung von Menschen in unserer Gesellschaft geht. Durch die „Normalität“ der Heterosexualität stehen alle Menschen, die nicht heterosexuell sind, vor Herausforderungen und Problemen, die Heterosexuelle nicht kennen.

Hier mal eine kleine und sicher unvollständige Liste heterosexueller Privilegien. Und nein, nur weil andere Menschen andere Probleme haben, heißt das nicht, das heterosexuelle Menschen keine Probleme mit ihrer Sexualität haben.

Privilegien sind kein Kuchen. Niemand bekommt weniger, weil andere mehr bekommen.

Photo by Chrysostomos Galathris from Pexels

Du bist “normal”

Deine sexuelle Orientierung und deine gesamte sexuelle Identität wird als normal wahrgenommen. Du bist, wie man ist. Wie “Mann” und “Frau” halt so sind. Nicht nur das. Deine sexuelle Orientierung gilt als die einzig natürliche Form. Vermeintlich biologisch aber auf jeden Fall religiös und gesellschaftlich begründet und zementiert.

Dir wird niemand mit religiösen Schriften, Gesetzen oder Traditionen kommen um dir zu beweisen wie “falsch” ist, was du bist.

Raus kommen oder im Schrank bleiben?

Ist für dich keine Frage. Da deine sexuelle Orientierung als normal angenommen wird, bei dir also keine “Abweichung” vorliegt musst du dich nie damit beschäftigen, wem du was aus deinem Leben erzählst.

Du wirst dich nie fragen müssen, welche Folgen ein Coming Out haben wird. Auch wirst du dich nie fragen müssen, wem du davon erzählst, wer es wissen darf und wer nicht.

Rechtfertigung

Du musst dich weder für deine (Geschlechts-) Identität noch für deine sexuelle Orientierung irgendwie rechtfertigen. Irgendetwas erklären. Deine Art dich zu kleiden, sprechen oder zu bewegen wird nie damit begründet werden, “mit wem du Sex hast”.

Niemand wird dir sagen, dein Verlangen oder eure Liebe wäre “gegen die Natur”. Dir werden nicht Attribute des anderen Geschlechts zugeschrieben um deine Andersartigkeit zu betonen.

Heirat und Familie

Du willst heiraten? kein Problem. Tu es. Du willst Kinder? Kein Problem. Du und dein Gegenstück werdet beide ganz selbstverständlich alle Elternrechte und Pflichten bekommen. Wenn ihr verheiratet seid, hilft euch sogar die Krankenkasse, sollte euer Kinderwunsch unerfüllt bleiben. Niemand käme auf die Idee, dass eure sexuelle Orientierung irgendwelche negativen Einflüsse auf eure nachkommen haben wird.

Ihr werdet nie wie selbstverständlich eine Stiefkinderadoption (bei jedem Kind) durchlaufen müssen. Niemand wird sich fragen, ob das was ihr lebt, bei euren Kindern zu einem “nicht normalen” Geschlechts- und Rollenverständnis führt oder gar eure Kinder, aufgrund eurer sexuellen orientierung Missbraucht.

Mobbing, Belästigung und Gewalt

Du musst keine Angst haben aufgrund deiner sexuellen Orientierung psychischer oder physischer Gewalt ausgeliefert zu sein.

Dir wird keine Vergewaltigung angedroht oder empfohlen um “richtig” zu werden. Dir wird nie gesagt, du hättest einfach noch nicht dein passendes Gegenstück  gefunden um zu werden, wie du vermeintlich sein sollst.
Für deine sexuelle Orientierung existieren keine Schimpfworte. sie wird nicht reduzierend, schmähend oder beleidigend gebraucht.

Familie und Freunde

Du wirst nie in die Situation kommen, in der du mit deinem nahen Umfeld über deine sexuelle Orientierung sprechen musst. Du wirst auch nie befürchten müssen aufgrund dieser eine familiäre Krise auszulösen. Du wirst dich nie fragen müssen, wie deine Familie und deine Freunde darauf reagieren. Du wirst nie fürchten müssen, Menschen die dir wichtig sind aufgrund deiner sexuellen Orientierung zu verlieren.

Film, Fernsehen, Serien, Bücher

Deine sexuelle Orientierung und damit auch ein wesentlicher Teil deiner Identität wird in Medien aller Art repräsentiert. Du musst nicht extra nach Genre Filmen suchen. Auch sind Charaktere mit der selben Präferenz wie deiner, wenn sie vorkommen meist nicht nur Nebencharaktere. Die Darstellung deiner sexuellen Orientierung ist vielschichtig. Romantisch, tragisch, lustig und dient in den meisten Fällen nicht nur als Scharfmacher oder Abturner.

Offen sprechen

Du kannst über deine Beziehung völlig offen sprechen. Niemand ist irritiert vom Geschlecht deines Gegenstücks.

Du wirst dich nie Fragen müssen wem du wie viel erzählst. Welchen Namen du für dein Gegenstück verwendest wenn du etwas über euch erzählst. Auch die Artikel und Pronomen stellen in deinen Erzählungen keinen sprachlichen Hürdenlauf dar.

Gesundheit

Deine sexuelle Orientierung gilt nicht als Risikofaktor für deine oder die Gesundheit anderer. Dabei ist erstmal egal, wie du sie auslebst.

Bis 2017 waren schwule und bisexuelle Männer, also Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) von der Blutspende ausgeschlossen. Lesbische Frauen, die nie Sex mit einem Mann hatten, gelten bei manchen Gyäkologen als Jungfrauen.

Pornofizierung

Niemand wir diene sexuelle Orientierung pornofizieren. Deine Orientierung wird immer “mehr als nur Sex” sein.

Dir werden keine Dreier angeboten um deinem Sexleben zu “richtigem” Sex zu verhelfen. Du wirst nie einfach so gefragt werden, ob zugeshen werden darf, wenn ihr sex habt. Du wirst nie gefragt werden, “wie ihr dass den so macht” oder “Wer bei euch der Mann/die Frau” ist.

Aus Erfahrungen anderer lernen

Du hast die Möglichkeit aus den gemachten Erfahrungen anderer zu lernen, ohne sie selbst machen zu müssen. Aber das größte Privileg ist wahrscheinlich, dass du für andere, an deren Situation etwas verbessern kannst.

Photo by Porapak Apichodilok from Pexels
Photo by Porapak Apichodilok from Pexels