High Heel Feminist, Wellington Rebel, Mary Jane Chuzpenik

Das L Wort

Das L Wort

„Das ist bestimmt so ’ne Lesbe… „

Wir lernen sehr früh, dass es Regeln für das gibt, was gemeinhin als weiblich gilt oder als Weiblichkeit bezeichnet wird. Wir werden nicht nur darauf hintrainiert einem gewissen Schönheitsideal entsprechen zu wollen und zu müssen, uns wird auch ganz klar vermittelt, welches Verhalten von uns erwartet wird. Halten wir uns an diese Vorgaben, profitieren wir von Anerkennung für uns und unsere Bemühungen und Ergebnisse. Wir erhalten Bonuspunkte für unser gutes Betragen.
Ein Konstrukt von Verhaltensweisen, die von einer männlich dominierten und patriarchalen Gesellschaft geprägt und zementiert wurden. Spielen wir mit, so wird uns erzählt, werden wir glücklich.

Das Problem ist, wenn es eine Schablone für Weiblichkeit gibt, wird klar was als weiblich angesehen wird und was nicht. Ein Sieb für die, die Vorgaben erfüllen und die, die es nicht tun.
Und da das Denken von Geschlecht und Identität so radikal binär gedacht ist, ist alles was nicht weiblich ist, also nicht in unsere Schablone passt, sofort männlich.
Eine Abweichung von der Schablonenform führt also zu einem Verlust an Weiblichkeit und zu einer “Vermännlichung”.
Kurze Haare, laut sein, Raum einnehmen.

Die Vorstellung, dass unser Ausdruck Rückschlüsse auf unsere sexuelle Orientierung erlaubt, liegt der Idee zugrunde, dass männlich und weiblich sich gleichzeitig ausschließen und ergänzen.

Viele heterosexuelle Frauen* und auch nicht heterosexuelle Frauen* haben Angst als Lesbe gelesen und verstanden zu werden.
Denn “die Lesbe”, das ist dieses unfickbare, eigenartige Ding mit den kurzen Haaren, in den Männerklamotten. Die die keinen Mann bekommt oder die, die keinen will. Die absolute, personifizierte Unfickbarkeit.
Und Fickbarkeit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Fickbarkeit verspricht Glück und Anerkennung. Wer fickbar ist, besitzt einen Wert.

Eine Frau, die dem Zwang widersteht, den Ihr aufgelegten Regeln zu folgen und deren oberstes Ziel nicht die Aufmerksamkeit, Anerkennung und Gefälligkeit von und für Männern ist, ist eine Bedrohung. Ein störender Pixelfehler auf dem Hochglanz LCD des Patriarchats und dem fragilen Konstrukt der Männlichkeit…

Nach dieser Logik des Geschlechts – die natürlich rein heterosexuell definiert ist – muss eine Frau, die sich nicht so verhält oder aussieht, wie es die Gesellschaft gemeinhin von Frauen erwartet,die männlich ist, wie Männer eben auch von Frauen sexuell angezogen werden. Sie kann also gar nicht anders als eine Lesbe sein.

Vielen lesbischen Frauen ist es egal, wie ihr Look, ihre Art sich zu bewegen und zu benehmen bei Männern ankommt. Männer sind nicht die Gruppe des Begehrens und der Anziehung. Sie sind zwar da, weil sie eben existieren aber nicht von übergeordneter Relevanz. Ihnen zu gefallen, ihre Bestätigung und die sexuelle Attraktivität für sie sind nicht relevant.

Wenn Lesben aber eines nicht sind, dann ist es unweiblich. Eine Lesbe, ist nach gängiger Definition eine Frau, die sich sexuell und romantisch zu anderen Frauen hingezogen fühlt. Aber eine Lesbe ist mehr als das. Der Umstand gewissen Vorstellungen und Ansprüchen nicht genügen zu müssen, ermöglicht eine andere Freiheit, was den Ausdruck der eigenen geschlechtlichen Identität und des eigenen Selbst angeht.

„Lesbe“ wird als Schimpfwort von Menschen verwendet, die den Wert von Frauen nur über ihre Verfügbarkeit von Männern definieren. Frauen und alle anderen sind aber so viel mehr als die Funktionen, die sie für andere erfüllen.

Frauen* haben das Recht sich Raum zu nehmen, zu sein wie sie sein wollen.

Und so bleibt „Lesbe“ nur so lange ein mächtiges Schimpfwort, um „aufmüpfige Frauen“ auf ihren Platz zu verweisen, wie wir es zulassen, dass irgendein Aspekt von Frauen oder Weiblichkeit negativ besetzt ist.